Kategorie: Allgemein

  • Andelfinger Zeitung 2023

    Andelfinger Zeitung 2023

    Plattform: Print und Online, andelfinger.ch
    Format: Texte & Bilder, diverse

    «Lehrer wollte ich nicht werden»

    Genau 40 Jahrgänge unterrichtete Walter Schoch als Primarlehrer an ein und derselben Schule. Mittlerweile lebt er mit seiner Frau im Konradhof in Winterthur, heute feiert er seinen 100. Geburtstag. / August 2023 Zum Text

    Walter Schoch lebt gemeinsam mit seiner Frau Maya im Konradhof in Winterthur. Von 1948 bis 1988 unterrichtete er 40 Jahre lang an der Primarschule Kleinandelfingen. Heute feiert er seinen 100. Geburtstag.

    Bankencrash im Bauerndorf

    Was die CS kann, können wir schon lang: Vor 150 Jahren ging die erste Bank in der Region Andelfingen mit wehenden Fahnen unter. Der Grund: Spekulationsgeschäfte an der Pariser Börse. / August 2023 Zum Text

    Diese beiden Anteilsscheine der Bank wurden 2021 im Internet zum Verkauf angeboten.

    Ein Festival ist nicht genug

    Dominic Schmid plante mit 20 sein erstes Open-Air in Andelfingen. Heute gestaltet er die Winterthurer Musikfestwochen mit. / Juli 2023 Zum Text

    Mit kaum 20 Jahren plante er sein erstes Festival in Andelfingen – heute arbeitet Dominic Schmid für die Winterthurer Musikfestwochen.

    Auf einen Schwatz, Herr Bundesrat!

    Vergangenen Mittwoch tagte der Bundesrat in Winterthur. Zeit, um mit den höchsten Schweizerinnen und Schweizern zu plaudern. Und um Ignazio Cassis zu fragen, wo die Antwort des EDA auf einen eingeschriebenen Brief bleibe. / April 2023 Zum Text

    Er nahm das Smartphone gleich selbst in die Hand. Bundespräsident Alain Berset mitten in der Menge.

    Eine Pionierleistung im Brückenbau

    Sie war eine Pionierleistung im Betonbau – die Weinlandbrücke in Andelfingen. Kurz nach ihrer Fertigstellung meldete sich ein @ETH-Professor beim Kantonsingenieur – die Berechnungen seien fehlerhaft. / Mai 2023 Zum Text

    So präsentiert sich die Weinlandbrücke kurz nach ihrer Eröffnung 1958 in der Landschaft.

    Landen Leicht gemacht

    Sie sitzen in einer Boeing 737, plötzlich fallen beide Piloten aus. Was tun Sie? / Mai 2023 Zum Text

    Dieses Cockpit war einst Teil einer Maschine, die einer französischen Fluggesellschaft gehörte. Heute dient es als Flugsimulator für die Firma Sim Aviation in Attikon.

    Der weite Weg der Wirkstoffe

    Zwei der zehn umsatzstärksten Pharmafirmen der Welt sitzen in der Schweiz. Weshalb werden Antibiotika und Schmerzmittel bei uns trotzdem knapp? / Juni 2023 Zum Text

    Die typische Lieferkette eines einfachen Generikums in Tablettenform geht über dutzende Stationen. Foto von Hal Gatewood auf Unsplash
  • Kommentar zur Stauber-Chronik

    Kommentar zur Stauber-Chronik

    Plattform: Web, Heimatkundliches Archiv Andelfingen
    Format: Text, 1500 Zeichen

    Der Historiker Dr. Emil Stauber (1869 – 1952) wuchs zwar am Zürichsee auf, verbrachte seine Ferien in der Jugendzeit aber regelmässig in Buch am Irchel und Kleinandelfingen. In dieser Zeit entstand eine erste heimatliche Bindung zum Norden des Kantons. 1912 dissertierte er über das Schloss Widen, in seiner weiteren publizistischen Tätigkeit sollte er zahlreiche weitere Arbeiten zu Zürcher Burgen und Schlössern verfassen. Während seiner Recherchen deckte er als leidenschaftlicher Heimatkundler vergessene Brauchtümer und Traditionen auf und publizierte diverse Ortsgeschichten. Eines seiner bedeutendsten Werke ist die von 1939 bis 1942 publizierte «Geschichte der Kirchengemeinde Andelfingen». Stauber wurde 1928 von der Chronikkommission mit dem Auftrag betraut, die Geschichte der ursprünglich 17 Gemeinden der alten Pfarrei Andelfingen zusammenzufassen. Aus den Bürgergemeinden wurden bis 1872 acht politische, nämlich Andelfingen, Kleinandelfingen, Adlikon, Humlikon, Dägerlen, Dorf, Thalheim und Volken. Deren Geschichte ist in den drei Bänden (davon ein Registerband) und auf insgesamt über 1100 Seiten aufgeschrieben.

    Die «Stauber-Chronik», wie sie in der Region schlicht genannt wird, ist das wichtigste Chronikwerk des Zürcher Weinlandes. Es umfasst die Geschichte zahlreicher wichtiger Bauten, Familiengeschichten und deren Stammbäume und natürlich die Vergangenheit der verschiedenen Orte in der Kirchgemeinde Andelfingen.

    Die Stauber-Chronik kann auf der Gemeindekanzlei Andelfingen gekauft werden. Es sind 24 Ausgaben (je 3 Bände) vorrätig.

  • Das ist mir neu

    Das ist mir neu

    Diese Buchrezension wurde für das Winterthurer Kulturmagazin Coucou verfasst. Es bezieht sich auf den Stadtreiseführer „111 Orte in Winterthur, die man gesehen haben muss“.

    Plattform: Online
    Farbe: Text, 3 Bilder

    Du denkst, du kennst Winterthur in- und auswendig? Schliesslich lebst du seit Jahren hier, hast jedes Museum besucht, in jeder Beiz getrunken, jede Sehenswürdigkeit besichtigt? Weit gefehlt!

    Es ist ein Reiseführer der anderen Art, nicht für fotografierende japanische Touristen, sondern für Winterthurer höchstselbst. Genau deshalb lockt er mich an diesem regnerischen Vormittag in die Stadtbibliothek. «111 Orte in Winterthur, die man gesehen haben muss», heisst es umständlich auf dem Buchumschlag. Ich nehme neben einem älteren Herrn mit gesetzter Miene platz, er ist bereits ins Buch vertieft. Als er die Seite mit dem Dach des neuen Busbahnhofs aufschlägt, lehnt er sich zu mir rüber. «Wissen Sie, weshalb das Teil so viele Löcher hat?» fragt er schelmisch und antwortet gleich selbst: «Für jeden Seich vom Stadtrat eines».

    Lebt schon lange in Winterthur, denke ich mir. Und auf die Frage, warum es ihn denn an die Buchvorstellung verschlagen habe, heisst es «Winterthur Tourismus». Was will denn ein Stadtführer bitteschön mit einem Buch über die Stadt, durch die er gewöhnlich führt?

    Die Antwort erschliesst sich mir bei weiterer Beobachtung. Mein Sitznachbar blättert erstaunt durch die Seiten. Aufgeregt tuschelt er mit seiner Begleiterin. «Also das mit dieser Mutprobe ist mir neu», «Wo steht dieses Denkmal?», «Da war ich noch nie drin». Offenbar lernen hier sogar waschechte Sightseeing-Experten noch was dazu.

    Zum Beispiel, dass der erste schriftliche Verweis auf Vitudurum – so heisst die Stadt im lateinischen – heute kaum beachtet im Rathausdurchgang steht. Oder, dass eines der wohl hässlichsten Bahnhofdächer der Schweiz ein Planbeispiel für dutzende Haltestellen im Land hätte dienen sollen – was dann aber aus Kostengründen nicht passierte. Auch wenn einem der ein oder andere Ort schon bekannt ist: Mit Anekdoten und sorgfältig recherchierten Details zur Lokalität erzählt jede Seite etwas neues.

    Genau das war denn auch das Ziel von Autorin Corrine Päper. Vier Jahre hat sie an ihrer Liste mit Winterthurer Orten gebastelt, die eben noch nicht jeder kennt – und wenn, dann zumindest nicht so gut wie sie. Auf ihren ausgedehnten Jogging-Trips habe sie die Stadt kennengelernt, schwärmt sie im Interview. Aber auch Tipps von Kollegen, einige davon selbst alteingesessene Winterthurer, hätten ihr geholfen.

    Die Idee zum Buch kam derweil aus Deutschland: Der Emons-Verlag aus Köln führt eine Reihe aus über zweihundert Bänden von «111 Orte…» und vertreibt die meisten Ausgaben mit grossem Erfolg. Für Berlin allein erschienen beispielsweise drei verschiedene Führer, insgesamt hätten sie sich rund 120’000 mal verkauft. Aussergewöhlich für die Reihe sei insbesondere, dass sie eine grosse lokale Abnehmerschaft finde, teilt die Dame vom Verlag mit. Das werde in Winterthur ganz ähnlich sein, raunt es vom Landbote-Journalisten. Der Winterthurer, das ist klar, liebt seine Stadt. Und dieses Buch, es ist eine Liebeserklärung an «Winti». Die Angestellte aus der Stadtbibliothek weiss jedenfalls zu berichten, dass die ersten Exemplare bereits ausgeliehen seien.

  • FLAMMAE

    FLAMMAE

    Die Flammae War die offizielle Lagerzeitung des Bundeslagers der Pfadibewegung Schweiz 2022. Das Produkt erschien im Juli und August acht Mal in der Auflage von jeweils 10 000 Exemplaren und richtete sich an ein dreisprachiges Publikum.
    Im Bundeslager waren rund zwei Drittel des Zielpublikums Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren. Deshalb konzeptionierten wir für diese Zielgruppe eine Zeitung mit hohem Bildanteil, wenig Weissraum und Texten von maximal 1200 Zeichen. Ein Kernteam aus sieben Personen kümmerte sich um die redaktionelle Leitung, rund 20 Journalistinnen und Fotografen produzierten die Inhalte.

    Plattform: Print, Druck im Rollenoffset, Centre d`impression Lausanne
    Format: Broadsheet, 65g/m2, 20 Seiten
    Farbe: 4-farbig CMYK

    Making of

    Fotos: Tizian Schöni / Verein Bula 2021/Christian Frei

    Produkt

  • Game journalism

    Game journalism

    Diese Arbeit wurde für die Online-Redaktion der Wochenzeitung DIE ZEIT erstellt. Sie verschafft einen Überblick über den Begriff „Game Journalism“, zeigt dann die Relevanz des Themenbereiches für die ZEIT und für die Gesellschaft insgesamt auf und nennt in einer umfassenden Analyse konkrete Themen und Ideenansätze für die Berichterstattung zum Thema Gaming.

    Plattform: Print / Digital, Druck als Broschüre
    Format: A4, 80g/m2, 26 Seiten
    Farbe: s/w

  • Simulation der Freiheit

    Simulation der Freiheit

    „Simulation der Freiheit“ ist die Rezension des Hardcore-Survivalgames „DayZ“. Der ausführliche Text ist für ein branchenfremdes Publikum in einer überregionalen Wochenzeitung aufgearbeitet.

    Plattform: Digital Text
    Format: 1235 Wörter, 8500 Zeichen
    Farbe: –

    DayZ ist eines der erfolgreichsten Survival-Spiele der letzten Jahre. Weil es sich selbst unspielbar macht.

    von Tizian Schöni

    „Sobald ich Hunger kriege, bin ich praktisch schon tot!“, schreibt ein sichtlich verärgerter Spieler, und setzt einen roten, nach unten zeigenden Daumen über seinen Kommentar. „Zweihundert Stunden gelaufen und noch keiner Menschenseele begegnet“, schreibt ein anderer. Nicht empfohlen.

    Das Computerspiel, über das hier so wütend rezensiert wird, nennt sich DayZ, und im Wesentlichen besteht es aus einer gigantischen, 225 Quadratkilometer grossen Kartenregion. Im Norden und Westen dichte, schier endlose Wälder, im Süden und Osten weite Strandabschnitte und Küstenstädte. An irgendeinem dieser Strände muss ich mich im Moment befinden. Hinter mir liegt das Meer, das ruhige Rauschen der Wellen vermischt sich mit schrillen Vogelschreien aus dem naheliegenden Waldstück.

    Obwohl ich keine Menschenseele sehe, bin ich nicht allein. Etwa hundert andere Spielende steuern ihre „Überlebenden“ in diesem Moment über Chernarus, so heisst diese verlassene digitale Landschaft. Dass ich einem von ihnen in den nächsten Stunden begegne, ist unwahrscheinlich. Misst man die Spieleranzahl an der Kartengrösse, hat die heruntergekommene Gegend eine noch tiefere Bevölkerungsdichte als Kanada.

    DayZ wird in der Welt der Videospiele in die Kategorie der Survival Games eingeordnet. Survival, zu Deutsch überleben, ist denn auch das oberste Ziel in diesen Spielen, einen Sieg oder ein Ende des Spiels gibt es selten. Bei Ego-Shootern stirbt man im Sekundentakt, nur um an einem bestimmten Ausgangspunkt erneut als Soldat ohne Namen wieder aufzutauchen. Bei Jump and Runs fällt man als lustige Spielfigur in einen bodenlosen Abgrund und verliert dafür ein rotes Herzchen am oberen linken Bildschirmrand. Survival Games hingegen sind Simulationsspiele: Sie bilden spezifische Realitäten nach. Und ganz besonders DayZ wird dadurch erbarmungslos. Die einzige Aufgabe ist, sich irgendwie durchzuschlagen. Das Fehlen weiterer Leitplanken kreiert eine Illusion ungemeiner Freiheit, und gepaart mit scheinbar endloser Landschaft sind Survival Games in einer Zeit der Ausgangssperren, Reiseverbote und Grenzschliessungen so beliebt wie nie geworden. Seit Beginn der Pandemie Anfang 2019 hat sich die regelmässige Spielendenzahl von DayZ fast verdreifacht. Ungefähr 20‘000 Personen pro Monat loggen sich auf einen der Server ein. Andere Titel aus demselben Genre, Rust, Ark: Survival Evolved, der Neuling Valheim oder der Klassiker Minecraft verzeichnen einen ähnlichen Anstieg an Spielenden. Ein Survival Revival erfasst gerade die Welt der Computerspiele.

    Mittlerweile habe ich mein Inventar geprüft. In den Hosentaschen befinden sich ein Apfel, vier Stofffetzen und ein Leuchtstab. Der Apfel ist schnell verspeist, aber mein Charakter scheint immer noch hungrig zu sein. Ein Symbol leuchtet in der Ampelfarbe Gelb auf. Vorsicht! Also mache ich mich auf zu einer kleinen Siedlung in unmittelbarer Nähe. Denn Zivilisation verspricht Lebensmittel, Werkzeuge und vielleicht sogar eine Waffe zur Verteidigung. In den leerstehenden Gebäuden findet sich ein nützliches Küchenmesser, ein abgenutzter Mantel und eine halbvolle Flasche Wasser. Keine Nahrung zwar, aber immerhin etwas Flüssigkeit. Doch schon nach kurzer Zeit taucht ein weiteres Symbol auf meinem Bildschirm auf, es sieht wie eine Art Virus aus. Bin ich etwa krank?

    Nur ein Steinwurf entfernt befindet sich ein verlassener Bauernhof. Zusätzlich zum Schlottern kommt bei meinem Charakter jetzt auch noch ein leises Stöhnen, sobald ich ihn mit meiner Hochstelltaste zum Sprinten zwinge. Als ich bei den Gebäuden ankomme, ist das kleine Kreuz, das meine Gesundheit anzeigt, bereits gefährlich leer. Verzweifelt suche ich nach etwas Essbarem, und tatsächlich: Das muntere Gackern eines Huhns tönt hinter der Scheune hervor. Meine Rettung? Das Tier ist schnell gefangen, mit dem gefundenen Messer filetiert und verspeist. Roh? Egal, die Not kennt kein Gebot. Nur, schon nach kurzer Zeit erbreche ich meinen gesamten Mageninhalt zurück in die Landschaft. Nun bewege ich mich nur noch schleppend fort, Hunger, Durst und die sonderbare Krankheit manifestieren sich als dunkle Schlieren auf meinem Bildschirm, mein Sichtfeld verengt sich immer weiter. Ich höre noch ein dumpfes Geräusch, als mein Charakter auf den Boden sackt. „Du bist tot.“, erscheint in kleinen weißen Lettern da, wo gerade eben noch Wälder, Wiesen, Meer und Strand zu sehen waren.

    Der Entzug von relevanten Informationen und die damit verbundene Unmöglichkeit, eine Ursache zu bestimmen sind es, die DayZ zu einem vorzüglichen Freiheitssimulator machen. Als Spieler werde ich mit scheinbar zufälligen Ereignissen konfrontiert, auf die ich nur unter Zuhilfenahme meiner Vernunft adäquat reagieren kann. Der praktische Freiheitsbegriff ist der Antrieb eines jeden Survival Games. Hühnchen roh essen? Ganz schlechte Idee.

    DayZ verbirgt also bewusst bewusst Orientierungs- und Handlungsmöglichkeiten vor dem Spielenden. Ich weiss, dass ich krank bin, aber ich weiss nicht, ob es ein einfacher Schnupfen, eine Grippe oder eine der acht anderen Krankheiten im Spiel ist. Ich kann eine dicke Jacke anziehen, um in der Nacht nicht frieren zu müssen. Aber wenn es regnet, ist das Kleidungsstück schneller durchnässt, und vielleicht werde ich krank? Zur Orientierung helfen mir Sonne, Sterne oder das Strassennetz, aber was bringt mir das ohne eine Landkarte? Und habe ich endlich eine Touristen-Wanderkarte gefunden, sind darauf die Militärstützpunkte natürlich nicht eingezeichnet, in denen besonders wertvolle Gegenstände zu finden wären.

    Nach meinem ersten „Run“ bin ich empört: Gaukelt mir dieses Spiel etwa Hilflosigkeit vor? Schliesslich könnte ich mich auch auf das eigens befüllte „Gamepedia“ verlassen. Dort wird das Spiel akribisch in seine Einzelteile zerlegt. In langen Tabellen kann ich mir anschauen, welches Kleidungsstück wie gut gegen Regen, Kälte oder Angriffe mit Stichwaffen schützt. Es gibt Listen aller in der Spielewelt verfügbaren Gegenstände. Es sind an die tausend. Und natürlich stellt mir das Internet auf Wunsch auch eine interaktive Beute-Karte zur Verfügung. Dort sind nicht nur die Militärstützpunkte eingezeichnet, sondern ich kann auch für jedes der 2100 auf der Karte platzierten Gebäude durch Mausklick herausfinden, in welche Gütekategorie die Beute in diesem Haus fällt.

    In der Welt der Videospiele nennt man diese Informationen Meta. Mit ihnen könnte ich die so bedrängende Hilflosigkeit im Spiel überlisten, meine Krankheiten liessen sich ergoogeln, ein Heilmittel wäre schnell gefunden. Aber ich will nicht. Warum?

    In Wahrheit ist der strategische Mangel an Information nur der Kitt, der den Freiheitssimulator zusammenhält. Das DayZ-Gebäude besteht jedoch aus soliden Mauersteinen, und das sind die Akte der Selbstbestimmung. Da es kein festes Ziel gibt, kann ich tun und lassen, was ich will. Nichts muss mir heilig sein, ich kann nach meinen ultimativen, selbsterhobenen Prinzipien handeln.

    Die Begegnungen mit anderen Spielenden, sie sind die grössten Risiken in DayZ. Und zugleich die grössten Chancen. Durch Zusammenarbeit lassen sich schwere, allein fast unlösbare Aufgaben bewältigen, zum Beispiel der Zusammenbau eines Autos. Aber Kooperation bedingt auch Vertrauen. Meine erste Begegnung lässt mich mit einem Russen zusammenkommen. Wie in vielen anderen Mehrspieler-Games kommuniziere ich per Mikrofon. Ein zögerliches „hello?“ und die F1, um meine Hand zu heben wirken Wunder. Wir tauschen einige Ausrüstungsgegenstände aus und entscheiden, uns zusammen in die nächste Stadt aufzumachen. Gemeinsam ist es sicherer. Nach zwei Spielstunden verabschiedet sich der Russe. Noch fünfzehn Sekunden setzt sich der alte, weißhaarige Mann mit seinen stahlblauen Augen vor mir auf den Boden, krächzt mit Teenager-Stimme ein „svidaniya!“, dann verschwindet er im Nichts.

    Mittlerweile habe ich DayZ etwa fünfzig Stunden gespielt. In Game lebe ich seit mehreren Tagen: Einen grossen Rucksack voller Werkzeuge, Medikamente und Lebensmittel trage ich immer mit mir herum. Ich kann einen Beinbruch behandeln, säubere mein Wasser vor dem Trinken mit Chlortabletten, auch ein Jagdgewehr zur Verteidigung habe ich dabei. Gerade jogge ich über eine Anhöhe, als ich am Rande meines Blickfeldes eine Bewegung wahrnehme. Kurz darauf wird mein Bildschirm schwarz, ein peitschendes Geräusch ertönt, etwas Schweres sackt auf den Boden. Du bist tot.

    Die Freiheit, sie hat selbst in Computerspielen ihren Preis.

  • Risnagel

    Risnagel

    Der Risnagel war und ist die Abteilungszeitschrift der Pfadi Abteilung Andelfingen. Es war eines der ersten Zeitungsprojekte, die Tizian Schöni gemeinsam mit einem Co-Redakteur umsetzte. Die Zeitschrift erschien unter dieser Leitung von 2012 bis 2020 durchschnittlich viermal jährlich, total entstanden so 52 Ausgaben. Von Vereinsmitgliedern eingesandte Beiträge und der redaktionelle Teil machten jeweils eine Hälfte des Inhaltes aus.

    Plattform: Print, Digitaldruck, Rohner und Spiller Winterthur
    Format: DIN A5, Broschüre mit Klammern
    Farbe: s/w

    Produkt